Am 28. November 2025 unternahm der 11. Jahrgang des St. Josef-Gymnasiums Dingelstädt zusammen mit seinen Deutschlehrerinnen Frau Herz und Frau Helbig-Runge einen Theaterbesuch nach Eisenach, um die Inszenierung des Dramas „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe anzusehen. Nach der Schule ging es los und vor Ort hatten wir zunächst etwas Freizeit, bevor das Theaterstück um 19:30 im Landestheater begann. Die Aufführung endete inklusive einer halbstündigen Pause 21:20, anschließend erfolgte die Rückfahrt - es wurde also ein langer aber auch ereignisreicher und wertvoller Tag für uns.


Die Inszenierung war insgesamt klassisch gehalten, aber mit modernen Elementen versehen. Dadurch wurde die Handlung verständlich dargestellt, jedoch wurden einige Szenen stark verkürzt oder weggelassen. Auffällig war besonders, dass die Aufführung nur mit drei Schauspielern auskam: Faust, Mephisto und Gretchen. Nebenfiguren traten nicht zusätzlich auf, sondern wurden entweder ausgelassen oder von den vorhandenen Figuren mit übernommen. So wurde beispielsweise die Brunnenszene nicht wie üblich zwischen Gretchen und Lieschen gespielt, sondern Gretchen verkörperte beide Rollen, was die Szene stärker emotional und innerlich erscheinen ließ.

Die schauspielerischen Leistungen waren insgesamt sehr überzeugend. Mephisto zog dabei besondere Aufmerksamkeit auf sich. Er wirkte humorvoll, aber gleichzeitig düster und manipulativ, sodass man ihm die Rolle vollständig abnahm. Gretchen überzeugte durch eine kindlich-naive, später gebrochene Art, während Faust seine Zerrissenheit und innere Suche glaubhaft darstellte. Das Zusammenspiel der drei machte trotz der reduzierten Besetzung die wichtigsten Entwicklungen des Stückes deutlich.
Das Bühnenbild veränderte sich regelmäßig und unterstützte so die Stimmung der Handlung. Bei Auftritten Mephistos wirkte die Bühne eher dunkel und geheimnisvoll, während sie bei Gretchen heller gestaltet war. Auch die Kostüme trugen zu dieser Wirkung bei: Faust blieb während der gesamten Zeit in einem schlichten Anzug, während Gretchen ein lilafarbenes Kleid trug, an dem sie nach und nach Tüllschichten entfernte. Symbolisch stand dies für ihre Entwicklung: Sie verliert nach und nach schützende "Schichten". Mephisto wechselte mehrfach sein Outfit, was seine Rolle als wandelbarer Verführer unterstrich. Teilweise verließen die Schauspieler zudem die Bühne und traten näher an das Publikum heran, was die Atmosphäre lebendiger und direkter machte. Musik wurde nur sparsam verwendet, jedoch sang Mephisto an einer Stelle, was die Szene wirkungsvoll verstärkte. Problematisch empfanden viele jedoch das plötzliche und offene Ende der Aufführung. Es kam unerwartet und ließ einige Fragen unbeantwortet, wodurch zwar Raum für eigene Interpretation entstand, jedoch auch Verwirrung zurückblieb.
Trotz dieser Irritation war die Aufführung insgesamt sehr gelungen und empfehlenswert. Durch die klare Darstellung und die starke schauspielerische Leistung wurde es leichter, die Handlung von „Faust I“ zu verstehen, besonders für diejenigen, denen das Lesen der Lektüre schwerfiel. Auch wenn einige Szenen verändert oder ausgelassen wurden, blieb der wesentliche Kern der Geschichte erhalten. Daher lässt sich abschließend sagen, dass der Theaterbesuch nicht nur interessant, sondern auch hilfreich war, um das Werk besser zu begreifen.

Verfasserin: Pénelopé Wulf (Jahrgang 11)