Eindrücklicher Zeitzeugenbesuch von Stephan Krawczyk am St. Josef-Gymnasium Dingelstädt

Noch einmal besonders eindringlich wurde es am Mittwoch, dem 19.03.2025, als Stephan Krawczyk, Liedermacher und Oppositioneller der DDR, zum Ende seines Zeitzeugenbesuchs die Ungewissheit und Gefährlichkeit seines Lebens in der DDR auf den Punkt brachte: "Wir wollten mit dem Auto los. Mir war der Führerschein bereits entzogen worden, meine Freundin Freya Klier musste fahren. Wir stiegen ein und fuhren los. Nach ein paar Minuten fing Freya an, wild zu schreien, hatte ihre Nerven nicht mehr im Griff. Ihr Schreien wurde immer wilder, immer intensiver.
Der Wagen schlingerte, wir steuerten auf einen Baum zu. Letztlich konnten wir nur mit Mühe und Glück gemeinsam den Wagen zum Stehen bringen." Was auf den ersten Blick als ein medizinischer Notfall erkennbar wird, erfährt erst mit der entscheidenden Anmerkung seine wahre Bedeutung: "Die Türklinke der Fahrerseite war mit einem Nervengift bestrichen worden. Als wir einstiegen, kam Freya unwissend mit dem Gift in Kontakt. Die Stasi wollte uns töten!"

Diese authentischen Berichte waren es, mit denen Stephan Krawczyk die Schüler und Schülerinnen des St. Josef-Gymnasiums sofort in seinen Bann zog. Da die Veranstaltung öffentlich war, fanden auch vereinzelt weitere Interessierte den Weg in die Aula des Gymnasiums. Vor genau 15 Jahren war Freya Klier ebenfalls an eben jenem Ort als Zeitzeugin aufgetreten, nun lauschten die Zuhörer gespannt ihrem Partner, stellten zum Schluss interessante Fragen und waren beeindruckt angesichts der Lebendigkeit des Vorgetragenen. "Unglaublich, was man als Mensch alles aushalten musste aber auch konnte", brachte Kilian Hanstein aus Klasse 12 seinen Eindruck von der Veranstaltung auf den Punkt. Aber es waren nicht nur die Berichte des selbst Erlebten, mit denen der gebürtige Thüringer zu vereinnahmen wusste, sondern auch die abwechslungsreichen Einblicke in die damalige Zeit. So präsentierte Herr Krawczyk auch selbst geschriebene Lieder mit Gitarre und Bandoneon und las aus seiner selbst verfassten Erzählung "Mein Freund wohnt auf der anderen Seite". "Diese verdammte Machtlosigkeit", betont in dieser der Protagonist Ronald bezüglich der fehlenden Entfaltungsmöglichkeiten Jugendlicher in der DDR. An dieser Stelle wurde der Wert dieser Veranstaltung deutlich, wie Geschichtslehrer Michael Gremler betont: "Wenn auch nicht so intensiv wie bei Herrn Krawczyk, fängt man an zu hinterfragen, an welchen Stellen man sich denn selbst angeblich machtlos fühlt." Der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie wurde deutlich, die Vorteile der seitdem erlangten Errungenschaften des heutigen Lebens sichtbar.

Stephan Krawczyk und Freya Klier wurden schließlich im Stasigefängnis Hohenschönhausen in Berlin inhaftiert. Wer die heutige Gedenkstätte einmal besucht hat, weiß um den erniedrigenden Umgang mit den Gefangenen. Wie er denn das mitunter so drastisch Erlebte verarbeite, wurde Stephan Krawczyk daher abschließend gefragt. "Ich singe", brachte es der Liedermacher auf den Punkt, ergänzte, "und schreibe", um dann zu betonen, "aber vor allem erzähle ich heute darüber".
Eine entscheidende Mahnung war ihm daher besonders wichtig: "In der DDR wurde die Bevölkerung gespalten - als Prinzip des Machterhalts. Seid daher wachsam, macht euch ein eigenes Bild und glaubt nicht alles, was euch vorgegeben wird. Beweist Charakter, der fehlt mir heute oft". Mit diesen Worten verabschiedete sich Stephan Krawczyk von seinem Publikum, das ihm mit warmem Applaus die intensiven Einblicke dankte.

Zeitzeugen01.pngZeitzeugen02.png